07.06.2016

Mama und Papa gehen wieder arbeiten: Die Betreuungsfrage

Oftmals am Ende des ersten Lebensjahres des Babys, mit Auslaufen des Elterngeldes, stellt sich die Betreuungsfrage, weil Eltern wieder arbeiten gehen wollen oder Eltern sich für ihren Nachwuchs wünschen, in einem anderen Umfeld Lernerfahrungen zu machen.

Wem können wir unser Kind anvertrauen, so dass Fremdbetreuung eine Bereicherung ist?

Gut ist, wenn das Kleinkind schon ab und zu von anderen Personen betreut wurde und auch bewusst eine Verabschiedung von den Eltern erlebt hat. Das heißt, beschreiben was man tut: „Mama geht jetzt kurz einkaufen und kommt dann wieder, inzwischen passt (z. B.) die Oma auf Dich auf!“ Das Kind darf sehen, dass Mama oder Papa weggehen und ihnen nachwinken. Wichtig ist, dass das Kind die Erfahrung macht, dass die Eltern schon bald wiederkommen.

Ist das Kind (schon) sicher gebunden, wird es sich, wenn auch nach kurzem Protest, auf die neue Situation einlassen können. Genauso wichtig ist aber auch, dass Eltern loslassen können; haben Eltern eine positive Einstellung zur Betreuung werden sie Sicherheit ausstrahlen, die sich auch auf das Kind überträgt.

Betreuung für die Kleinsten bieten neben privaten Möglichkeiten Tagesmütter oder Kinderkrippen. Adressen werden bei den Fachstellen der Jugendämter bereit gehalten.

Lassen Sie sich Zeit auf der Suche nach einer geeigneten Betreuung. Überlegen Sie, welche Kriterien für Sie und Ihr Kind wichtig sind und welche Fragen Sie beantwortet haben wollen, z. B. nach dem Betreuungsschlüssel (wie viele Kinder kommen auf eine Erzieherin/Tagesmutter), Urlaubsregelungen, Kosten. Eltern wollen aber auch wissen, wie in der Krippe oder bei der Tagesmutter gekocht wird, wie oft die Kinder an die frische Luft kommen, wie mit Konflikten umgegangen wird, in welchem Alter die anderen betreuten Kinder sind und nach welchem Modell die Eingewöhnungsphase stattfindet. Tagesmütter und Kitas verfügen oftmals über ein Skript, in welchem wichtige Informationen zusammengefasst sind.

Bei einem ersten Vorstellungsgespräch sollten alle organisatorischen Fragen geklärt werden. Bei einem zweiten Gespräch mit Kind halten Sie sich im Hintergrund und beobachten Ihr Kind in der ungewohnten Umgebung und achten auf die Interaktion zwischen Betreuungsperson und Kind.

Trennung von den Eltern ist für Kinder zunächst immer mit Stress verbunden. Dies wird oft nicht bemerkt, aber in wissenschaftlichen Untersuchungen ist ein erhöhter Cortisolspiegel bei Kleinkindern nachgewiesen worden – auch ohne auffälliges Verhalten.

Deshalb muss die Betreuungsperson zu Ihnen und Ihrem Kind passen, da sie in der Zeit der Betreuung die Eltern als Bindungsperson ersetzt. Die Feinfühligkeit der Erzieherin oder Tagesmutter sollte daher das ausschlaggebende Kriterium für eine gelungene Betreuung sein. Sie muss einen Blick auf das Seelenleben des Kindes haben, es trösten, wenn es traurig ist und sich mit ihm über das Gelingen neuer Entwicklungsschritte freuen.

Auf was ist noch zu achten?

Gibt es gerade viele Veränderungen in einer Familie wie Umzug oder die Geburt eines Geschwisterkindes sollte man eine Betreuung nicht überstürzen.

Die Eingewöhnungszeit kann für das Kind durch ein Maskottchen von Ihnen erleichtert werden.

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Kind an die neue Situation zu gewöhnen – am besten noch bevor Sie in den Beruf starten.

Die Betreuungszeit sollte bei Kleinkindern nur solange wie nötig sein; achten Sie auf ein gutes Gleichgewicht zwischen Selbst- und Fremdbetreuung.

Haben Eltern ein gutes Betreuungsmodell gefunden, ist dies eine Bereicherung für die Entwicklung des Kindes, da es neue Erfahrungen in vielen Lebensbereichen machen kann!

Carola Möller

Dipl.-Pädagogin