Nachrichten

02.09.2016

Warum Jugendliche so seltsam sind


Rückendeckung aus der Hirnforschung

Das Klischeebild eines Jugendlichen ist irgendwo auf einer Skala zwischen kopflosem Nervenkitzel und chronischer Übermüdung zu finden. Diese Gegensätze machen die Pubertät für Eltern aufregend und bisweilen rätselhaft. In den letzten Jahren hat die Hirnforschung jedoch neue Einsichten ermöglicht, die so manche Verhaltensweise verständlich und nachvollziehbar werden lassen.

Für die meisten Eltern, die mit pubertierenden Jugendlichen unter einem Dach leben, kommt irgendwann ein Zeitpunkt, ab dem sie ihre Kinder nicht mehr wiederzuerkennen glauben. Gestern noch vernünftig und einsichtig, laufen heute alle noch so wohlmeinenden Argumente ins Leere. Mit einem Mal bestimmen Dinge den Alltag, die ein Erwachsener für völlig nebensächlich halten würde.

Bevor wir an dieser Stelle an unseren Kindern zu zweifeln beginnen, können wir uns über ein wenig Rückendeckung aus der Hirnforschung freuen. Fakt ist: Erwachsene denken anders als Jugendliche. Für einen Erwachsenen steht am Beginn einer Handlung die Frage: Welche Konsequenzen habe ich zu erwarten? Was wäre zum Beispiel die Folge, wenn ich heute Abend feiern gehe, als gäbe es kein Morgen mehr? Nun, neben einer Menge Spaß vermutlich auch gewaltige Kopfschmerzen.

Unsere Erfahrungen helfen uns dabei, diese ein wenig ferner liegende Zukunft lebendig auszumalen und Nutzen und Kosten gegenüberzustellen. Mit zunehmendem Alter erhalten langfristige Kosten ein größeres Gewicht für uns als ein kurzfristiger Spaß. Nun kann man versuchen, diese Einsicht seinem Nachwuchs zu vermitteln und sich dabei darüber wundern, dass dieser zu einer genau entgegengesetzten Einschätzung kommt. Dieser Gegensatz ist ein zuverlässiger Auslöser für Reibungsverluste in der Kommunikation zwischen Eltern und Jugendlichen – daher finde ich die Frage interessant: Wie kommt es überhaupt dazu? Zwei anschauliche und gut nachvollziehbare Begründungen liefert hier die Hirnforschung. Da sich das menschliche Gehirn sozusagen von innen nach außen entwickelt, wird der frontale Kortex zuletzt ausgebildet. Dieser Hirnbereich ist für unterschiedliche mentale Prozesse verantwortlich: Planung und Handlung sowie die daraus resultierenden Konsequenzen, Zielüberwachung, Problemlösen, Kontrolle spontaner Impulse und Handlungshemmung sowie soziale Verantwortung. Die späte Entwicklung des frontalen Kortex kann sich sogar bis über das 20. Lebensjahr hinaus erstrecken und im Alltag der Jugendlichen große Auswirkungen haben. Weil sie aufgrund der Reifung des Gehirns noch nicht in der Lage sind, ihr Ziel zu fokussieren und konsequent daraufhin zu arbeiten, geraten ihre Ziele oft aus dem Blick. Aus dem gleichen Grund können Jugendliche auch ihr Risikoverhalten nicht gut einschätzen. Zusätzlich hat das Risikoverhalten eine Auswirkung auf das direkte Belohnungssystem des Gehirns. Hier wirkt der Botenstoff Dopamin, indem er Gefühle von Zufriedenheit und Anerkennung auslöst. Im Zusammenhang mit unserer Fragestellung steht die Beobachtung jüngerer Untersuchungen, dass im Jugendalter ein Rückgang der Dopaminrezeptoren stattfindet. So werden darüber hinaus Gemütslagen wie Langeweile und Desinteresse bis hin zur Melancholie, die ebenfalls in der Pubertät nicht untypisch sind, erklärbar.

Ebenso wie fehlendes Gespür für Gefahren gehört paradoxerweise auch ein erhöhtes Schlafbedürfnis zu den Schattenseiten des Heranwachsens. Schenkt man der Hirnforschung Glauben, steigt das Schlafbedürfnis mit Beginn der Pubertät tatsächlich an. Zusätzlich wird das Hormon Melatonin, das für die Steuerung des Schlafes zuständig ist, erst zwei Stunden später als bei Erwachsenen ausgeschüttet. Die Folge ist, dass unsere Jugendlichen den Weg ins Bett erst spät in der Nacht finden. In den Morgenstunden bleibt das Melatonin dann auch länger im Körper – mit den für Eltern bekannten Folgen. Kurz: Es entspricht einfach nicht dem Biorhythmus Heranwachsender, früh aufzustehen und Leistung zu erbringen. Das erhöhte Schlafbedürfnis und der besondere Einschlafrhythmus führen leicht zu ständigem Schlafmangel mit den typischen Auswirkungen auf Lernverhalten und Wohlbefinden und können sogar ein anhaltendes Gefühl der Traurigkeit hervorrufen.

Die persönlichen Grenzen überwinden gehört zu den wichtigen Aufgaben in der Jugend. Denn durch ihre Entdeckerfreude kehren die Jugendlichen nicht nur allmählich der heimischen Nestwärme den Rücken zu und lösen sich langsam ab, sondern erweitern durch neu gemachte Erfahrungen Wissen und Kompetenz. Nichtsdestotrotz tun Eltern gut daran, auf Risiken hinzuweisen und einzuschreiten, wenn das innere Stopp-Schild fehlt. Wie können Eltern also mit dem Verhalten ihrer Kinder umgehen? Nehmen Sie sich für ihre jugendlichen Kinder Zeit. Zeit, die regelmäßig besteht und in der eine spürbare und liebevolle Gegenwart entsteht. Die Jugendlichen dürfen, müssen aber nicht dieses Gespräch ergreifen. Es geht darum, die Bereitschaft zum Gespräch zu signalisieren. Hören Sie ihren Kindern zu, egal um welche Themen es geht und haben Sie Verständnis. Geben Sie ihren Kindern Raum und erkennen Sie an, dass sie zu Jugendlichen werden. Und treffen sie mit ihnen Absprachen und Vereinbarungen, die sie zu Eigenständigkeit und Verantwortlichkeit bewegen, aber zeigen Sie auch Grenzen auf. Teenager ohne Grenzen wären  überfordert. Ihre Jugendlichen brauchen ihre Unterstützung, um Orientierung zu finden  und Risiken realistisch einzuschätzen. Handeln Sie nach dem Motto: Anleitung wo nötig, aber so wenig wie möglich. Die Pubertät ist ein Balanceakt, ein ständiges Abwägen des Zuviel oder Zuwenig. Während der eine Ermutigung braucht, um die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkunden, braucht der andere ein erwachsenes Korrektiv – Grenzen, bis die eigene Impulskontrolle verlässlich funktioniert. Bleiben Sie als Eltern authentisch und bringen Sie die Bereitschaft mit, sich selbst in Frage zu stellen oder auch stellen zu lassen. Und machen Sie ihren Jugendlichen deutlich, dass es erstrebenswert und schön ist erwachsen zu werden.

Marzena Kowalski-Zimmer

Diplom-Sozialpädagogin


01.08.2016

Schulwechsel – Was braucht ihr Kind?


Nach den Sommerferien steht für viele Kinder der Schulwechsel in eine weiterführende Schule an. Vielleicht haben Sie und Ihr Kind die Atmosphäre in der Grundschule als förderlich und kinderfreundlich erlebt. Schön wäre es, wenn Ihr Kind vom Spiel mit bunten Holzbuchstaben in der ersten Klasse der Grundschule schnurstracks zur feierlichen Überreichung des Abiturzeugnisses durchmarschieren könnte. Für viele Kinder beginnt aber jetzt nach den großen Ferien erst einmal der „Ernst des Lebens“. Erwartungen der weiterführenden Schule hinsichtlich Leistung, Lerntempo, Selbstorganisation und sozialer Kompetenz machen den Kindern ebenso zu schaffen, wie ein meist längerer Schulweg und die Unsicherheiten, die von den noch fremden Klassenkameraden ausgehen.

Eltern machen den Schulerfolg ihrer Kinder manchmal zur eigenen Sache und nehmen die Verantwortung gänzlich in ihre Hände. „Wir müssen heute noch für eine Arbeit lernen!“, „Wir haben eine Drei in Mathematik geschrieben!“, sind Aussagen, die wir in Beratungen manchmal hören. Bis zur Klasse sieben oder acht führt starke Verantwortungsübernahme durch die Eltern oft noch zu schulischem Erfolg. Danach fordert das jugendliche Kind stärker Autonomie ein und wehrt sich gegen Einmischungen. Dort wo Eltern die „Zügel fest in der Hand haben“ lernen und übernehmen Kinder kaum Eigenverantwortung.

Begleiten Sie Ihr Kind in den ersten Monaten auf der weiterführenden Schule intensiv. Es muss sich erst an die Anforderungen seiner neuen Schule gewöhnen. Nach den Weihnachtsferien sollten Sie Ihrem Kind zunehmend mehr Eigenverantwortung zugestehen. Trauen Sie ihm zu, dass es seine Aufgaben ohne Ihre Hilfe bewältigt und sagen Sie ihm auch: „Ich glaube, dass Du das alleine schaffst. Wenn Du Hilfe benötigst, kannst Du mich fragen!“ Bleiben Sie dabei trotzdem gut informiert.

Nach einem anstrengenden Schultag noch viele Stunden mit Hausaufgaben und Lernen zu verbringen, sollte eher Ausnahme sein. Wichtige kindliche Bedürfnisse nach Bewegung, sozialem Lernen, kreativem Tun haben so keine Zeit mehr.

Folgende Hausaufgabendauer als Durchschnitt wird empfohlen:

Klasse 1 + 2                30 Minuten

Klasse 3 + 4                45 Minuten

Klasse 5 + 6                60 Minuten

Klasse 7 + 8                90 Minuten

Klasse 9 + 10              120 Minuten

Wenn Ihr Kind sich beharrlich weigert, diese Zeitdauer mit dem Lernen und den Hausaufgaben auszufüllen, liegt nicht immer „Faulheit“ vor. Es kann auch auf eine Überforderung hinweisen. „Mein Kind könnte, wenn es nur wollte!“, hören wir Eltern oft sagen. Manchmal aber „würde es gerne wollen, wenn es nur könnte“.

Wenn Sie feststellen, dass die Schulschwierigkeiten den familiären Alltag weitestgehend in Beschlag nehmen, wenn alles besorgte Reden scheinbar ins Leere geht, aller Druck, doch fleißiger zu sein und die guten Möglichkeiten zu nutzen, erfolglos bleibt, dann ist es wichtig, mit Lehrern und anderen Fachkräften das Gespräch zu suchen. Ziehen Sie die Reißleine! Suchen Sie nach Entlastungen oder bieten Sie Ihrem Kind die Schulform an, die es mit Freude und Erfolg bewältigen kann! Unser Schul- und Bildungssystem weist Wahlmöglichkeiten auf. So mancher kleine Umweg führt auch zum geplanten Ziel. Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind gerne zur Schule geht, passen Sie Ihre Erwartungen an die Möglichkeiten des Kindes an und nicht umgekehrt!

Reinhard Baumann

Dipl.-Sozialpädagoge


21.07.2016

„Halt doch mal die Bälle flach!“


Wenn Eltern unterschiedliche Anforderungen an ihre Kinder stellen

„Du erlaubst ihr alles. Es ist auch kein Wunder, dass sie in der Schule nichts auf die Reihe bringt!“, sagt der Vater zur Mutter. Er kann nicht verstehen, dass seine Frau die gemeinsame Tochter mittags zu ihren Freundinnen gehen lässt, obwohl die letzten zwei Klassenarbeiten negativ ausgefallen sind. „Halt doch mal die Bälle flach!“ sagt die Mutter, die spürt, dass die Tochter derzeit überhaupt keine schulische Motivation mehr aufbringen kann und sich nur noch quält. Welcher Elternteil hat denn nun Recht?

Oft streiten Eltern über den richtigen Weg in der Erziehung. Das tun sie, weil beide ihr Kind lieben und sich Sorgen machen. Dumm nur, dass die beiden in ihrer Analyse zu völlig unterschiedlichen erzieherischen Konsequenzen kommen. Streiten sie nicht miteinander, denn sie haben beide recht!

Wer von dem anderen Elternteil Strenge im Umgang mit dem gemeinsamen Kind fordert, ist meist derjenige, der selbst am wenigsten dazu in der Lage ist. Er ist dann in Sorge, etwas zu versäumen und delegiert die Verantwortung an den anderen Elternteil. Der sorgt sich aber auch um das Kind und versucht den Druck vom Kind wegzunehmen. So geht die Schere in unserem Beispiel auseinander.

Natürlich muss ein Kind sich anstrengen, wenn es das Klassenziel erreichen möchte. Und es ist richtig, dass Eltern ihm dies vermitteln. Doch es nutzt wenig, sein Kind zum schulischen Erfolg „prügeln“ zu wollen. Manchmal müssen Eltern eben auch akzeptieren, dass ihr Kind Grenzen hat. Nicht alle Kinder sind gleich begabt, nicht alle Kinder haben den gleichen „Biss“ und manchmal sind Kinder durch andere Ereignisse belastet. Schulischer Erfolg und Misserfolg sind also nicht immer eine Frage von Fleiß und Faulheit, sondern oft auch eine Frage der Persönlichkeit und Mentalität des Kindes oder den Lebensumständen. Leider wissen wir nicht immer, ist nun im konkreten Fall die Faulheit das Problem oder eine derzeit stark geschundene „Schülerseele“, die eine Auszeit braucht. Oft ist es ein bisschen von beidem, es gibt eben nicht nur schwarz und weis.

  • Respektieren sie die Haltung und das Handeln des anderen Elternteils ihrem Kind gegenüber!
  • Kinder können gut damit umgehen, dass ihre Eltern unterschiedliche Vorstellungen in einer Frage haben. Erst wenn Eltern massiv streiten, wird das Kind nachhaltig verunsichert!
  • Kritik am Verhalten ihres Partners sollten sie nie im Beisein des Kindes äußern!
  • Wenn ihre Positionen „unvereinbar“ erscheinen, holen sie sich Rat bei guten Freunden, in ihren Familien oder suchen sie eine professionelle Beratungsstelle auf!

In der Arbeit mit Eltern stelle ich oft fest, dass Kinder mittelfristig gute Wege gehen, obwohl ihnen ihre Eltern mit unterschiedlicher Strenge begegnet sind. Wichtig ist, dass die Eltern ihren Streit nicht auf die Spitze treiben. Offenbar profitieren die Kinder von der „Mittellage“  dieses unterschiedlichen Elternverhaltens.  Die Mischung macht’s eben! Für unser Beispiel heißt das: Kinder lernen, dass Anstrengungen sein müssen und sie lernen, dass sie auch mal einen „Durchhänger“ haben dürfen. So entsteht ein mittleres Stressniveau, das den Erfolg am besten fördert.

Reinhard Baumann

Dipl.-Sozialpädagoge


07.06.2016

Mama und Papa gehen wieder arbeiten: Die Betreuungsfrage


Oftmals am Ende des ersten Lebensjahres des Babys, mit Auslaufen des Elterngeldes, stellt sich die Betreuungsfrage, weil Eltern wieder arbeiten gehen wollen oder Eltern sich für ihren Nachwuchs wünschen, in einem anderen Umfeld Lernerfahrungen zu machen.

Wem können wir unser Kind anvertrauen, so dass Fremdbetreuung eine Bereicherung ist?

Gut ist, wenn das Kleinkind schon ab und zu von anderen Personen betreut wurde und auch bewusst eine Verabschiedung von den Eltern erlebt hat. Das heißt, beschreiben was man tut: „Mama geht jetzt kurz einkaufen und kommt dann wieder, inzwischen passt (z. B.) die Oma auf Dich auf!“ Das Kind darf sehen, dass Mama oder Papa weggehen und ihnen nachwinken. Wichtig ist, dass das Kind die Erfahrung macht, dass die Eltern schon bald wiederkommen.

Ist das Kind (schon) sicher gebunden, wird es sich, wenn auch nach kurzem Protest, auf die neue Situation einlassen können. Genauso wichtig ist aber auch, dass Eltern loslassen können; haben Eltern eine positive Einstellung zur Betreuung werden sie Sicherheit ausstrahlen, die sich auch auf das Kind überträgt.

Betreuung für die Kleinsten bieten neben privaten Möglichkeiten Tagesmütter oder Kinderkrippen. Adressen werden bei den Fachstellen der Jugendämter bereit gehalten.

Lassen Sie sich Zeit auf der Suche nach einer geeigneten Betreuung. Überlegen Sie, welche Kriterien für Sie und Ihr Kind wichtig sind und welche Fragen Sie beantwortet haben wollen, z. B. nach dem Betreuungsschlüssel (wie viele Kinder kommen auf eine Erzieherin/Tagesmutter), Urlaubsregelungen, Kosten. Eltern wollen aber auch wissen, wie in der Krippe oder bei der Tagesmutter gekocht wird, wie oft die Kinder an die frische Luft kommen, wie mit Konflikten umgegangen wird, in welchem Alter die anderen betreuten Kinder sind und nach welchem Modell die Eingewöhnungsphase stattfindet. Tagesmütter und Kitas verfügen oftmals über ein Skript, in welchem wichtige Informationen zusammengefasst sind.

Bei einem ersten Vorstellungsgespräch sollten alle organisatorischen Fragen geklärt werden. Bei einem zweiten Gespräch mit Kind halten Sie sich im Hintergrund und beobachten Ihr Kind in der ungewohnten Umgebung und achten auf die Interaktion zwischen Betreuungsperson und Kind.

Trennung von den Eltern ist für Kinder zunächst immer mit Stress verbunden. Dies wird oft nicht bemerkt, aber in wissenschaftlichen Untersuchungen ist ein erhöhter Cortisolspiegel bei Kleinkindern nachgewiesen worden – auch ohne auffälliges Verhalten.

Deshalb muss die Betreuungsperson zu Ihnen und Ihrem Kind passen, da sie in der Zeit der Betreuung die Eltern als Bindungsperson ersetzt. Die Feinfühligkeit der Erzieherin oder Tagesmutter sollte daher das ausschlaggebende Kriterium für eine gelungene Betreuung sein. Sie muss einen Blick auf das Seelenleben des Kindes haben, es trösten, wenn es traurig ist und sich mit ihm über das Gelingen neuer Entwicklungsschritte freuen.

Auf was ist noch zu achten?

Gibt es gerade viele Veränderungen in einer Familie wie Umzug oder die Geburt eines Geschwisterkindes sollte man eine Betreuung nicht überstürzen.

Die Eingewöhnungszeit kann für das Kind durch ein Maskottchen von Ihnen erleichtert werden.

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Kind an die neue Situation zu gewöhnen – am besten noch bevor Sie in den Beruf starten.

Die Betreuungszeit sollte bei Kleinkindern nur solange wie nötig sein; achten Sie auf ein gutes Gleichgewicht zwischen Selbst- und Fremdbetreuung.

Haben Eltern ein gutes Betreuungsmodell gefunden, ist dies eine Bereicherung für die Entwicklung des Kindes, da es neue Erfahrungen in vielen Lebensbereichen machen kann!

Carola Möller

Dipl.-Pädagogin

 


13.05.2016

Was brauchen Kinder und Jugendliche nach einem traumatischen Erlebnis?


Kinder und Jugendliche sind genauso traumatisierenden Situationen und Erlebnissen ausgesetzt wie Erwachsene. Zu solchen Geschehnissen gehören zum Beispiel Unfälle, Überfälle, der plötzliche Tod von nahestehenden Menschen, aber auch die unvorbereitete Trennung von der Bezugsperson und dem gewohnten Lebensumfeld. Immer bedeutet es die Sicherheit für eine gewisse Zeit zu verlieren und sich hilflos und ausgeliefert zu fühlen.

Bevor man entscheidet, ob professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden muss, sollte man folgende Strategien und Tipps befolgen, um eine sofortige Stabilisierung und Entlastung zu erreichen. Viele Menschen entwickeln keine Posttraumatische Belastungsstörung, sondern können nach einiger Zeit das traumatische Erlebnis gut verarbeiten.

Verstehen, was passiert

Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass seine Reaktionen wie zum Beispiel besondere Ängstlichkeit, Konzentrationsmangel oder Einschlaf- und Durchschlafprobleme eine völlig normale Reaktion auf ein nicht normales Ereignis sind. Nicht Ihr Kind ist „verrückt“, sondern die Situation, die es erlebt hat, war „verrückt“. Es handelt sich um eine gesunde Reaktion auf eine extrem verletzende Erfahrung.

Bewegung gegen die körperliche Stressreaktion

Jede Form von Bewegung hilft, den akuten Stress im Körper abzubauen. Dabei sollte man sich aber nicht überanstrengen. Der Körper stellt in der traumatischen Situation eine sehr große Menge an Energie zur Verfügung, die nicht verbraucht wird. An der frischen Luft spazieren gehen, Fahrrad fahren oder weiterhin den Lieblingssport betreiben kann Wunder wirken.

Darüber reden

Motivieren Sie Ihr Kind, über das Erlebte mit vertrauten Menschen zu sprechen (Freunde, Freundinnen, Eltern, Verwandte, Lehrer usw.) Akzeptieren Sie aber auch, wenn das Kind nicht über das Ereignis reden möchte, vielleicht hilft es auch, das traumatische Erlebnis aufzuschreiben oder ein Bild darüber zu malen.

Strukturierter Tagesablauf

Jede Form von Struktur ist hilfreich und wirkt unterstützend. Wenn es möglich ist, sollte Ihr Kind zur Schule, zum Training oder in den Musikunterricht gehen. Vielleicht ist dies aber vorübergehend nur in reduzierter Form möglich.

Bisherige Stressbewältigungsmechanismen nutzen

Lassen Sie Ihr Kind eine Liste mit all den Tätigkeiten/Dingen anfertigen, die ihm bisher in Stresssituationen geholfen haben. Es kann ausprobieren, welche der bisherigen Mechanismen jetzt auch hilfreich sein können.

Viel trinken

Ihr Kind sollte jetzt viel trinken, allerdings keinen Alkohol. Der Alkohol erschwert es dem Gehirn nämlich, das traumatische Erlebnis zu verarbeiten.

Sich etwas Gutes tun

Traumatische Erfahrungen kosten viel Kraft, deshalb sollte Ihr Kind jetzt besonders gut mit sich selbst umgehen. Sich etwas gönnen, das gut tut, kann sehr entlastend wirken.

Sich Ruhe und Entspannung gönnen

Entspannungsmethoden wie Atemübungen, Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung können sehr hilfreich sein. Besorgen Sie eine entsprechende CD im Buchhandel oder bei Ihrer Krankenkasse. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind ausreichend schläft.

Professionelle Hilfe

Sollten sich die Belastungssymptome innerhalb von vier bis sechs Wochen nicht deutlich verbessern oder verschwinden, wenden Sie sich an professionelle Helfer.

Kirsten Hückel-Dege

Dipl.-Sozialpädagogin


19.04.2016

Spagat zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge


Für viele junge Eltern stellt der Verlust der Selbstbestimmtheit eine der größten Veränderungen dar, die mit der Geburt eines Kindes einhergehen. Gerade Säuglinge sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern Tag und Nacht zur Verfügung stehen, wenn sie Hunger haben, müde sind, Nähe brauchen oder gewickelt werden müssen. Experten gehen davon aus, dass eine zuverlässige und sofortige Bedürfnisbefriedigung in den ersten Lebensmonaten eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer sicheren Bindung und eines gesunden Selbstwertgefühls spielt. Für Eltern bedeutet dies, dass sie mit der Geburt eines Kindes ihre eigenen Bedürfnisse erstmal hintenan stellen müssen. So muss der eigene Schlaf-Wach-Rhythmus an den des Kindes angepasst werden und auch Bedürfnisse nach Essen, Ruhe oder Freizeit müssen manchmal  warten, bis sie dran sind. An erster Stelle steht das Kind. Und das ist auch gut so. Oder?

Während einerseits immer wieder betont wird, wie wichtig es ist, auf die Signale von Babys zu reagieren und ihre Bedürfnisse zu befriedigen, erhalten Eltern auch immer wieder den Rat, auf sich selbst zu achten. Denn um gut für sein Kind sorgen zu können, ihm liebevoll zugewandt und fürsorglich zu sein, muss es auch den Eltern gut gehen. Völlig überlastete, gestresste Eltern können auf Dauer nicht ruhig und liebevoll für ihre Kinder da sein. Hier entsteht ein Widerspruch, der für viele Eltern nicht leicht aufzulösen ist: Neben der hingebungsvollen Fürsorge für das Kind, soll auch die Selbstfürsorge nicht zu kurz kommen. Leichter gesagt als getan!

Hier ein paar Hinweise, die es leichter machen können, den Spagat zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge hinzubekommen:

  • Realistische Erwartungen: Wer erwartet, dass sein Leben nach der Geburt eines Kindes genauso weiter geht wie vorher, der wird sicher enttäuscht und frustriert sein: Einschnitte in der persönlichen Lebensgestaltung bleiben nicht aus und je kleiner die Kinder sind, desto mehr müssen sich Eltern den Bedürfnissen der Kinder unterordnen. Dennoch ist es auch mit kleinen Kindern möglich, sich (kurze) Zeitspannen der Erholung und Selbstfürsorge zu schaffen. Ein Trost für alle jungen Eltern: Je älter und selbstständiger Ihre Kinder werden, desto besser können Sie wieder Räume und Zeiten für sich schaffen.
  • Als Eltern zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen: Vor allem der permanente Schlafmangel ist für Eltern in den ersten Monaten mit Baby eine große Belastung. Auch die fehlende Zeit für sich alleine und das Gefühl, kaum eine Tätigkeit in Ruhe zu Ende führen zu können stellt für viele junge Eltern einen Stressfaktor dar. Hier ist wichtig, dass Eltern sich gegenseitig unterstützen und sich durch abwechselnde Kinderbetreuung Zeit zum Schlafen, Ausruhen und zum Ausüben von Hobbies verschaffen. So schön es auch ist, gemeinsame Zeit als Familie zu verbringen, manchmal ist es für alle hilfreicher, abwechselnd Zeit mit dem Kind zu verbringen und sich so gegenseitig die Möglichkeit zu geben, Kraft zu tanken.
  • Unterstützung holen: Nicht nur Partner, sondern auch Familienangehörige, Nachbarn und Freunde können eine wichtige Ressource sein. Zum einen kann der Austausch über Erziehungsfragen sehr entlastend sein, zum anderen ist Unterstützung in der Kinderbetreuung eine gute Möglichkeit, um auch mal wieder Zeit für sich – alleine oder als Paar – zu haben. Und wer viel wertvolle Zeit mit seinem Kind verbringt, der darf sich ganz ohne schlechtes Gewissen auch mal eine Pause gönnen. Um diese dann auch entspannt genießen zu können ist es natürlich wichtig, die Kinder in guten Händen zu wissen. Wer nicht auf ein familiäres, soziales Netzwerk zurückgreifen kann, findet bei Stadt und Landkreis Fulda verschiedene Angebote für ehrenamtliche Unterstützung, wie z.B. Leihgroßeltern.

 

Verena Febres

Diplom-Psychologin


01.04.2016

Erste-Hilfe-Tipps für Eltern von verliebten Kindern


Sich das erste Mal zu verlieben bedeutet für jeden Menschen eine intensive und einmalige Erfahrung. Diese bleibt in der Regel lebenslang in Erinnerung und kann weitere Beziehungen prägen und beeinflussen. Für Eltern stellt die erste Liebe oft eine Herausforderung dar, denn plötzlich ist ein „fremder Mensch“ dem eigenen Kind emotional sehr nah, gleichzeitig zeigt Ihr Kind Ihnen deutlich, dass es nun mehr oder weniger eigene Wege geht.

Auf der einen Seite müssen Sie loslassen, andererseits benötigt Ihre Tochter oder Ihr Sohn auch Begleitung und Unterstützung durch Sie.

Freuen Sie sich 

Die eigene Reaktion auf die erste Liebe des Kindes hängt oft entscheidend von den eigenen Erfahrungen ab. Deshalb fallen manchmal unbewusst wenig hilfreiche Äußerungen wie „Denk bloß nicht, dass das ewig so bleibt“ o.ä.. Jugendliche nehmen ihre erste Liebe sehr ernst und Sie unterstützen jetzt am besten, indem Sie sich einfach mit Ihrem Kind über dessen intensive Gefühle freuen und darüber, dass seine Liebe erwidert wird. Das fördert nämlich das Selbstwertgefühl.

Privatsphäre

Widerstehen Sie dem Drang im Tagebuch Ihres Kindes zu lesen oder dessen Nachrichten im Handy oder PC zu kontrollieren und horchen Sie es nicht aus. Ein toleranter Umgang mit der Beziehung Ihres Kindes bedeutet aber auch, dass Sie eigene Vorstellungen und Regeln über Ausgehzeiten, schulisches Engagement und häusliche Pflichten miteinander absprechen. Klare Absprachen verhindern ständige Auseinandersetzungen.

Offenes Haus

Vielleicht fällt es Ihnen schwer, sich aus der Beziehung des Kindes herauszuhalten, besonders wenn Sie den Eindruck haben, der Partner oder die Partnerin übe einen negativen Einfluss aus. Mit übergroßer Strenge und Vorwürfen werden Sie eher den Konflikt verschärfen. Es mag schwierig sein, das eigene Kind in einer Partnerschaft zu wissen, in der es aus Ihrer Sicht nicht glücklich werden kann. Wenn Sie den Kontakt zu Ihrem Kind nicht gänzlich verlieren möchten, sollten Sie Zugeständnisse machen und Gesprächsbereitschaft signalisieren. Laden Sie Freund oder Freundin oft zu sich nach Hause ein, so lernen Sie ihn/sie besser kennen und entdecken (wahrscheinlich) positive Seiten.

Sexualität

Sie sollten sich in allen Bereichen offen halten für das, was Ihr Kind besprechen will. Dann kann es auch mit Fragen zur Sexualität zu Ihnen kommen. Tut es das nicht, ist es kein Zeichen für mangelndes Vertrauen: Den meisten Jugendlichen ist es peinlich, mit den Eltern über Sex zu reden. Sie sollten sich dann auch nicht aufdrängen. Eine offene, sachliche Information über Verhütung oder den Schutz vor HIV ist aber mit Beginn der Geschlechtstreife wichtig und sinnvoll. Dabei kann man dann auch ansprechen, dass Sex bei aller angebrachten Vorsicht vor allem Spaß macht.

Soziale Medien

Jugendliche teilen heute ganz selbstverständlich Gefühle per WhatsApp oder Facebook mit. Manchmal fällt dies in der Anonymität des world wide web sogar leichter als im direkten Kontakt. Sich über das Internet zu verlieben ist heute durchaus normal. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Risiken und Verhaltensregeln mit Scheinprofilen, Herausgabe persönlicher Daten und Sexting. Dies erfordert Ihre Auseinandersetzung und Information über Chancen und Risiken der digitalen Medien. Begleiten Sie Ihr Kind unbedingt zum ersten Treffen mit der Internet-Bekanntschaft (vielleicht im Hintergrund bleiben).

Liebeskummer

Mit dem Erfahrungsschatz und dem Wissen eines Erwachsenen ist es oft nur schwer auszuhalten, dass sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn voll in die Beziehung hineinstürzt, obwohl die erste Liebe möglicherweise nicht lange halten wird oder sich andere Probleme ergeben könnten. Versuchen Sie trotzdem „im Hier und Jetzt“ zu bleiben und seien Sie einfach da, wenn Sie irgendwann als Seelentröster und Unterstützer gebraucht werden.

Kirsten Hückel-Dege

Dipl.-Sozialpädagogin


04.03.2016

Schlaf Kindlein schlaf … Babys bis 6 Monate in den Schlaf begleiten


Schlaf, Kindlein, schlaf ist ein Wiegenlied, das schon im 17. Jahrhundert Kindern vor dem Einschlafen zur Beruhigung gesungen wurde.

Heute ist das nicht viel anders. Das Baby braucht unsere Hilfe, um in den Schlaf zu finden.

Das Thema Schlaf wird für Eltern schnell zu einer großen Herausforderung.

Warum dies so ist – dazu ein paar Infos:

Ein Baby unter 6 Monaten besitzt noch keine entsprechende physiologische Reife, gesättigt durch die Nacht zu kommen, daher verlangt es nach Nahrung auch, wenn wir lieber schlafen würden.

Auch der Tag/Nacht Rhythmus fehlt noch. Babys schlafen anfangs genauso lang am Tag wie in der Nacht, wachen regelmäßig über den ganzen Tag und die Nacht verteilt auf.

Damit sich das ändert brauchen Babys unsere Hilfe, vor allem durch einen strukturierten Tagesablauf und beruhigende Rituale.

Meist passiert dies automatisch: Wir verdunkeln das Zimmer, wenn das Baby zur Ruhe kommen soll, sprechen leise und singen ein Wiegenlied leise vor.

Auch das Baby hilft uns, auf sein Schlafbedürfnis aufmerksam zu machen. Es sendet uns Signale wie Gähnen, Augenreiben, an den Ohren spielen oder wendet sich ab, um uns zu sagen: Ich möchte jetzt keine Beschäftigung sondern Ruhe!

Dann ist es Zeit, das Baby in sein Bettchen zu legen. Es soll den Schlafplatz nicht nur in der Nacht kennenlernen sondern auch tagsüber als einen angenehmen Aufenthaltsort.

Fängt das Baby nun zu quengeln an ist es nicht hilfreich, das Baby gleich wieder aus dem Bett zu nehmen. Vielleicht ist ein beruhigendes Zureden, ein aufmerksamer Blickkontakt, ein sanftes Anfassen und über die Brust Streichen ausreichend, um das Wohlbefinden des Babys wiederherzustellen. Geben Sie dem Baby die Chance sich selbst zu beruhigen. Man sollte sich erst dann entscheiden das Baby herauszunehmen, im Arm zu wiegen und zu füttern, wenn Hilfestellungen nicht ausreichend sind. Vertrauen Sie auf Ihre elterliche Intuition, dass Sie hierfür die richtige Entscheidung treffen.

Sind Sie beunruhigt, dass Ihr Baby über die Maßen schreit und nur schwer in den Schlaf findet, sollten Sie einen Kinderarzt konsultieren. Es ist wichtig zu wissen, dass das Baby gesund ist!

Wichtig! Das Baby schreit nicht, um Sie zu ärgern – es ist die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Manchmal hat es auch (zu) viele Eindrücke zu verarbeiten, einen Wachstumsschub oder die Zähnchen kommen. Das Baby braucht dann Ihre Hilfe zur Beruhigung.

Durch häufiges Aufwachen der Babys leiden auch Eltern schon bald unter Schlafdefizit.

Es entsteht dann schnell ein Kreislauf, da es gestressten Eltern schwerer fällt, auf ihr Baby beruhigend einzuwirken.

Deshalb müssen Eltern für sich sorgen:

Nutzen Sie auch tagsüber jede Minute, die Ihr Baby schläft, um sich auszuruhen. Lassen Sie den Haushalt liegen. Holen Sie sich jede Unterstützung von Großeltern, Verwandten und Freunden oder wenden Sie sich jederzeit an das Helfernetz von Frühen Hilfen und Beratungsstellen.

Je ausgeruhter und entspannter Sie damit umgehen können, dass Ihr Baby Sie wieder einmal aufgeweckt hat, um so eher werden alle Familienmitglieder wieder zur Ruhe finden.

Denken Sie daran, in den ersten 6 Monaten ist es eher normal, dass Ihr Baby Sie in der Nacht aufweckt, Babys sind grundsätzlich eher schlechte Schläfer – dies ist nicht besorgniserregend aber anstrengend.

Was dem Baby helfen kann, besser in den Schlaf zu finden:

  • Schaffen Sie Ruheinseln für sich und das Baby am Tag
  • Vermeiden Sie Überreizung und bringen Ihr Baby regelmäßig nach 1- 1 ½ Stunden nach dem letzten Aufwachen wieder zur Ruhe
  • Überbrücken Sie Schreistunden durch Spazierengehen mit Tragetuch oder Spazierfahrten.
  • Eltern sollen sich in der Nachtbetreuung gegenseitig unterstützen.
  • Für eigene Entspannung sorgen. Beruhigen Sie sich selbst bevor Sie zu Ihrem Baby gehen.

Es gibt kein Patentrezept für Beruhigungs- und Einschlafhilfen. Vielleicht haben Sie Ihre ganz eigene hilfreiche Methode und achten auf einen strukturierten Tagesablauf und beruhigende Rituale.

Die Zauberformel heißt: Sanftes Vorgehen ohne Hektik und achten Sie auf sich selbst!

Carola Möller

Diplompädagogin

Beraterin für Familien mit Kleinkindern und Säuglingen (bke)


15.01.2016

Väter heute


Unsere Geschichte ist geprägt von Vätern, die einfach nicht da waren, als ihre Kinder sie brauchten. Manche waren im Krieg und viele blieben dort. Manche waren auf Arbeit und kurbelten mit ihrem Fleiß und ihren Überstunden das Wirtschaftswunder an. Väter wurden von ihren Kindern, die sich nach einem Kontakt zu ihnen sehnten, oft idealisiert. Oder sie wurden wegen ihrer Strenge und Unnachgiebigkeit gefürchtet. Väter setzten moralische Maßstäbe ohne Rücksicht darauf, dass ein Kind ein Kind und kein „kleiner Erwachsener“ ist. Kinder erwarteten, von diesen Vätern korrigiert und bestraft zu werden und hatten gleichzeitig Angst davor. Ob die Väter dies so gewollt haben? Später in den Siebziger Jahren haben Sozialwissenschaftler den Vater ignoriert. Die Entwicklungspsychologie legte ihren Fokus auf die Bedeutung der Mutter für die Erziehung der Kinder. Die historische Väterforschung glaubte zu wissen, dass Einfluss und Aufgaben des Vaters „gegen null gehen“. Vor zwanzig Jahren hat man auch in Deutschland begonnen, sich für den Vater, seine Bedeutung für die kindliche Entwicklung und für seinen Beitrag am Leben der Familie zu interessieren. Die Geschichte der Menschheit, insbesondere der Literatur, ist voll von Beispielen unglücklicher Söhne, die lebenslang um die Anerkennung des Vaters rangen und auch voll von Beispielen unglücklicher Mädchen, die mehr sein wollten als die Prinzessin oder Barbie ihrer Väter.

Kriege und Wirtschaftswunder sind ebenso überstanden wie die ausschließliche Fixierung der Frau auf Haushalt und Erziehung. Und doch wächst noch immer jedes fünfte Kind ohne einen Elternteil auf. Meist fehlen die Väter. Ursache hierfür sind mehrheitlich Trennungen und Scheidungen. Väter sind von ihren Kindern getrennt, obgleich sie nur von ihren Partnerinnen getrennt sein sollten. Die Abwesenheit des Vaters zeigt deutliche Wirkung auf das Selbstwertgefühl, die Selbstkontrolle, das Wohlergehen und die Schulleistung dieser Kinder. Männermangel in Kindergärten und Grundschulen verstärken das Problem. Die Vaterlosigkeit hat nicht nur für die Entwicklung der Kinder, sondern auch für betroffene Mütter deutliche Folgen.

Väter wollen heute da sein für ihre Kinder. Sie wollen wissen wie es ihnen geht. Sie träumen davon, die kleinen Abenteuer des Alltags mit ihnen zu erleben. Väter wissen, was wichtig ist für ihre Kinder. Sie wissen aber auch, wie wichtig sie für ihre Kinder sind. Ein Vater fühlt sich anders an und er fühlt anders, er denkt über Anderes nach und er denkt anders, er tut andere Dinge und er tut sie anders. Für ein Kind ist ein Vater die perfekte Ergänzung zu seiner Mutter. Sie würde ihr Kind niemals fast bis zur Decke werfen und ihm dabei das Gefühl vermitteln, sicher wieder aufgefangen zu werden (Komischerweise tun das fast alle Väter!) und sie würde wohl kaum einen Achtzylinderrennwagenmotor so perfekt intonieren, dass sich der Junior zum Autorennen an den Nürburgring versetzt fühlt. Viele Väter sind im Umgang mit ihren Kindern risikofreudiger, muten und trauen ihnen mehr zu. Das ist meist gut für Kinder. Mütter sind tendenziell (ver-) sorgender, beschützender (oder auch vermeidender). Und auch das ist gut für Kinder. Söhne brauchen männliche Modelle, um selbst Mann werden zu können und solche Modelle später einmal an ihre Kinder weiterzugeben.

Väter sind in der ersten Lebensphase eines Kindes oft wenig präsent. Sie müssen ihren „biologischen Nachteil“, nämlich nicht gebären und nicht stillen zu können, bewusst kompensieren. Sie sollten sich Zeit nehmen, um wichtig für ihr Kind zu werden und zu lernen wie sie mit ihrem Kind umgehen wollen. Dazu braucht es „mutterfreie“ Zeit, in der nur Vater und Kind zusammen sind. Engagierte Väter emanzipieren sich und mischen sich aktiv in die Pflege und Erziehung der Kinder ein. Viele Mütter unterstützen das, auch wenn es bedeutet, dass sie Einfluss und Kontrolle abgeben müssen.

Trotzdem verzichten gut zwei Drittel aller Väter darauf, Elternzeit zu nehmen. Vier von fünf Vätern nehmen auch nur die zwei Partnermonate. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nur eine „Alibi-Elternzeit“ in Anspruch zu nehmen. Stimmen also die alten Klischees immer noch? Die Studie „Eltern 2015“ (Forsa im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“) hat ergeben, dass mit 85 Prozent generell mehr Väter für ein partnerschaftliches Erziehungsmodell stimmen als Mütter mit nur 67 Prozent. Wir scheinen gesellschaftlich also auf einem guten Weg, der die Väter ihren Kindern deutlich näher bringen kann. Doch die Dinge brauchen Zeit.

Die in Deutschland überwiegend praktizierte Regel, dass im Falle der elterlichen Trennung die betroffenen Kinder von einem Elternteil – im Allgemeinen von der Mutter – betreut werden und dass die Kinder ihren Lebensmittelpunkt dann bei ihr haben („Residenzmodell“), wird von Vätern zunehmend kritisch gesehen. Ihnen reicht es nicht (mehr) aus, nur einen zeitlich deutlich begrenzten Umgang mit ihrem Kind zu haben. Sie wollen keine „Besuchsväter“ sein, sondern ihr Sorgerecht aktiv und in vollem Umfang ausüben. Ein „Wechsel- oder Paritätsmodell“, bei dem das Kind sein Leben zu gleichen Teilen bei beiden Eltern verbringt wird von vielen Vätern angestrebt. Hier geht es oft nicht um eine „Scheinlösung“ zweier ums Kind streitender Eltern oder um deren Versuch, „Unterhaltsgerechtigkeit“ herzustellen. Männer sehen vielmehr die Bedeutung von Vater und Mutter für die Entwicklung ihres Kindes als gleichwertig an möchten in größerem Umfang an der Betreuung und Erziehung beteiligt sein und wollen persönlich nicht auf ihr Kind verzichten.

Es gelingt den Vätern langsam, familiäres Leben und Arbeit ebenso in einen Einklang zu bringen, wie Verantwortung für ihre Kinder und Selbstverwirklichung. Aber die Bemühungen, die verschiedenen Anforderungen unter einen Hut zu bekommen, überfordern sie manchmal. Männer müssen sich mangels geeigneter Vorbilder irgendwie neu (er-) finden. Frauen können dabei auf ihre traditionell erworbenen Beziehungs- und Familienkompetenzen zurückgreifen. Sie hatten in ihren Müttern Modelle.

Das „Produkt“ ist auf einem guten Weg! Eine neue Kultur der Väterlichkeit ist im Begriff zu entstehen. Sie wird die Werte der Gesellschaft in Bewegung bringen und das Thema „Väter“ bekommt zu Recht einen breiteren Raum in der öffentlichen Diskussion und in den Medien.

Nicht nur für interessierte Väter empfehle ich: Facetten der Vaterschaft, Perspektiven einer innovativen Väterpolitik

Herausgegeben von: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 11018 Berlin

 

Reinhard Baumann

Dipl.-Sozialpädagoge


03.12.2015

Vorsicht – Explosionsgefahr! Teenager und Gefühlsausbrüche


Als Eltern von Kindern im Teenageralter kann man ein Lied davon singen. Scheinbar aus dem Nichts heraus reicht eine einzige Frage oder nur ein Blick als Eltern aus, um sich im nächsten Moment in einer lautstarken Auseinandersetzung mit seiner Tochter bzw. seinem Sohn wiederzufinden. Oftmals braucht es nicht einmal das.

So anstrengend das für alle Beteiligten auch sein mag, die Auseinandersetzungen mit den Eltern sind Ausdruck einer ganz normalen Entwicklung im Rahmen der Ablösung und Verselbständigung junger Menschen. Sie hängen in hohem Maße mit der starken Veränderung des Gehirns zusammen. Hinzu kommt, dass Jugendliche auf Ereignisse, die sie nicht kontrollieren können, oftmals sehr schnell sehr emotional reagieren. Dies kann Wut, Angst oder auch Traurigkeit sein.

Doch wie soll ich damit als Vater oder als Mutter umgehen? Muss ich mir das gefallen lassen?

Erst einmal ruhig bleiben! Tief durchatmen!

Jugendliche sind diesen Gefühlsausbrüchen ebenso ausgeliefert und sie müssen erst lernen, mit unangenehmen Situationen zu Recht zu kommen. Die Aufgabe als Eltern ist es, sie hierbei zu unterstützen. Wichtig ist dabei, nur so viel Unterstützung anzubieten, wie notwendig ist. Jugendliche können nicht lernen, ihre Probleme selbst zu lösen, wenn wir die ganze Verantwortung für die Lösung übernehmen. Enttäuschungen und Frustration werden im Leben immer wieder vorkommen und sie müssen lernen, damit umzugehen.

Wenn Jugendliche sehr aufgewühlt sind, geht man am besten in zwei Schritten vor:

  1. Zunächst ist es wichtig, die Sorgen Ihres Teenagers ernst zu nehmen und zu versuchen nachzuvollziehen, was genau der Grund bzw. das Problem ist.
  2. Im zweiten Schritt erst überlegen Sie gemeinsam, ob und wie Sie ihm helfen können.

Das bedeutet, erst einmal die Gefühle zu verstehen und anzuerkennen. Hierfür ist es wichtig, dass Sie Ihre Tätigkeit unterbrechen und Ihrem Jugendlichen die volle Aufmerksamkeit schenken. Bleiben Sie ruhig und hören Sie ihm genau zu. Auch wenn es schwer fällt, unterbrechen Sie ihn nicht. Zeigen Sie ehrliches Interesse und fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Um gemeinsam zu überprüfen, ob Sie alles richtig verstanden haben, fassen Sie am Ende mit eigenen Worten das Gesagte noch einmal zusammen. Benennen Sie dabei auch das Gefühl, dass Sie bei Ihrem jugendlichen Kind wahrnehmen. Dann fällt es ihm leichter, darüber zu sprechen und auch damit umzugehen. Zum Beispiel: „Ich merke, du bist ganz schön enttäuscht…“.

Sie werden merken, das klingt so einfach, ist es aber nicht immer. Als Eltern sind wir häufig dazu geneigt, Dinge zu relativieren, in Frage zu stellen oder wegtrösten zu wollen. Erschwerend hinzukommt, dass die Wortwahl und Ausdrucksweise der Jugendlichen Eltern häufig auf eine extreme Belastungsprobe stellt.

Wenn es Ihnen gelingt, Ihrem Sohn bzw. Ihrer Tochter zuzuhören und deren Gefühle anzuerkennen und zu verstehen, führt das meist schon zu einer deutlichen Beruhigung der Situation.

Erst dann sollten Sie fragen, wie Sie helfen können. Sollen Sie einfach nur zuhören oder geht es darum, ein Problem zu lösen. Wichtig ist, hier keine eigenen Vorschläge einzubringen, sondern nur so viel Unterstützung zu geben, wie Ihr Jugendlicher braucht bzw. verlangt. Gut gemeinte Ratschläge der Eltern können die Situation sehr schnell wieder anfachen. Wichtiger ist es, durch gezielte Fragen den Jugendlichen beim selbständigen Problemlösen zu unterstützen. Ziel soll es hier sein, erst mal verschiedene Lösungen einfach aufzulisten. Anschließend gilt es, Vor- und Nachteile der jeweiligen Lösungen zu bedenken und sich für einen Lösungsweg zu entscheiden, welcher in die Tat umgesetzt wird. Falls Ihr Jugendlicher dies nicht möchte oder weiterhin seinen Frust an Ihnen auslässt, sollten Sie ihm eine Zeit vorschlagen, um sich zu beruhigen und evtl. die Angelegenheit später noch einmal besprechen. Das Wichtigste bei allem ist, ruhig zu bleiben. Dies ist besonders schwierig, wenn sich der Gefühlsausbruch gegen Sie als Eltern richtet oder Sie selbst gerade gestresst sind. Eltern müssen aber auch immer wieder deutlich machen, dass derartige Gefühlsausbrüche nicht besonders hilfreich bei der Lösung eines Problems sind und dass es deren eigene Aufgabe ist, eine bessere Lösung vorzuschlagen.

Zusammengefasst heißt das

ruhig bleiben – zuhören – ruhig bleiben – zuhören – ruhig bleiben – nachfragen – ruhig bleiben – verstehen – fragen, wie man helfen kann – selbständiges Problemlösen unterstützen und … ruhig bleiben

Viel Erfolg!

Und denken Sie daran: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

 

Katharina Bauer

Dipl.-Psychologin


« Vorherige SeiteNächste Seite »