08.01.2018

Streit unter Geschwistern

Sie kennen das: Der Ton unter ihren Kindern wird lauter, geht über in Schubsen, Rempeln, Kneifen. Manchmal fliegen dann auch Spielsachen und gelegentlich sogar Fäuste. Bitterliches Weinen und die Erwartung an Sie, dem geschwisterlichen Aggressor endlich Einhalt zu gebieten, ihn als Schuldigen zu verurteilen und sogleich die eigene Unschuld zu bestätigen, sind Folgen des Streites.

Kain und Abel – der Geschwisterkonflikt ist ein gewöhnliches Phänomen! Aber Konflikte stehen im Widerspruch zu unserem Ideal von einem liebenden und friedvollen Umgang in der Familie. Schnell drängt sich die Frage auf: Was haben wir Eltern falsch gemacht? Ich greife vorweg: Vermutlich wenig oder nichts!

Denn die Bandbreite geschwisterlicher Beziehungen ist groß. Liebe und Hass scheinen sich in Minutenabständen abzuwechseln. Neutralität gibt es kaum. Niemand kann sich seinen Bruder, seine Schwester oder seine Rangfolge in der Geschwisterreihe aussuchen. Mit jedem Familienzuwachs ändert sich die Aufmerksamkeit der Eltern. Rivalität, Abneigung und Feindschaft gehören zum täglichen Brot, sobald mehr als ein Kind mit Mutter und Vater aufwächst. Natürlich gibt es auch das Gegenteil: Ein 10-Jähriger, der seine kleine Schwester vergöttert und um deren Zuneigung buhlt, ist ein Beispiel dafür. Die meisten Eltern berichten: „Die lieben und die hassen sich!“ Geschwisterkinder sind untereinander nicht nachtragend aber auch nicht gleichgültig. Wehe, die Bedrohung kommt von außen. Dann halten die „Todfeinde“ zusammen wie Pech und Schwefel, gelegentlich sogar gegenüber den eigenen Eltern.

Auch wenn es die Eltern noch so nervt, Aggressionen unter Geschwistern haben für Kinder auch eine entwicklungsfördernde Funktion. Kinder lernen im geschützten Raum der Familie die eigene Stärken und Schwächen kennen, lernen zu gewinnen und zu verlieren, können ihre Spannungen abbauen. „Kämpfen macht Spaß“, antworten kleine Jungen, wenn man sie fragt, warum sie streiten. Die Toleranz der streitenden Kinder ist weitaus größer als die der Erwachsenen.

Was können Eltern tun?

Ein paar Vorschläge:

Geschwisterkonflikte klingen mit zunehmender Autonomieentwicklung der Kinder ab. Nach einer Zeit relativer Gleichgültigkeit werden Geschwister nicht selten „beste Freude“. Und am Ende unseres Lebens haben wir meist mit keinem Menschen eine längere Zeitspanne verbracht als mit unseren Geschwistern.

Reinhard Baumann

Dipl.-Sozialpädagoge