01.03.2017

Tabu psychische Erkrankung – die mehrfache Belastung von Kindern psychisch kranker Eltern

Bricht sich eine Mutter das Bein, wird den Kindern erklärt, dass Mama grade nicht so fit und mobil ist wie sonst; Freunde, Familie und Nachbarn wissen Bescheid und unterstützen die Familie bei Bedarf. Leidet dieselbe Mutter an Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung, verhält es sich meist anders – statt über die Krankheit, ihre Auswirkungen und ihre Behandlung  zu sprechen, gibt es leider immer noch große Tabuisierungen. Oft wissen weder die Kinder noch das Umfeld Bescheid, wenn ein Elternteil an einer psychischen Krankheit leidet. Hilfestellungen für die Kinder bleiben aus – z.T. mit fatalen Folgen.

Laut Studien weisen ca. 30-60% der Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen, selbst schon im Kindesalter psychische Störungen auf, wenn sie keine präventiven Hilfestellungen erhalten. Und die Zahl der Betroffenen ist groß: Etwa zwei bis drei Millionen Kinder in Deutschland haben mindestens einen Elternteil, der an einer psychischen Erkrankung wie Depression, Schizophrenie, Persönlichkeits- oder Zwangsstörungen leidet.

Die Folgen für diese Kinder sind vielfältig:

Die Kinder zeigen mehr oder weniger deutliche Belastungsanzeichen wie Niedergeschlagenheit, Schulunlust, Konzentrationsschwierigkeiten, Rückzug von Freunden oder Aggressionen. Wichtig ist: Den Kindern kann geholfen werden! Ein offener Umgang mit der Erkrankung, das Vorhandensein bedeutsamer Dritter als Bezugspersonen und klare Verantwortlichkeiten sind wichtige Bestandteile der Präventionsarbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern. Professionelle Unterstützung, Beratung und Betreuung können hier sehr wichtig sein, um die ganze Familie dabei zu unterstützen, mit der großen Belastung umzugehen, die richtigen Worte zu finden und die Bedürfnisse aller Familienmitglieder im Blick zu behalten.

Verena Febres Mendoza

Dipl.-Psychologin