30.06.2017

„Wann sind wir denn endlich da?“

FZ-Artikel, erschienen am 13.06.2017 (Frau Lisa Krause FZ interviewt Frau Katharina Bauer, Psychologin in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder Jugendliche)

Gute Planung, Rituale und flexibel bleiben: So gelingt der Familienurlaub

Ferienzeit ist Urlaubszeit: Eltern wollen Erholung. „Kindern kommt das Adrenalin schon fast aus den Ohren heraus“, sagt Psychologin Katharina Bauer (39) von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Fulda. Sie gibt Tipps, wie der Familienurlaub entspannter ablaufen kann.

Steht der Urlaub an, erstellen Familien am besten eine Checkliste. Die kann man dann beim Packen abhaken – und nachher noch mal gemeinsam durchgehen. Zwar können Kinder ihren Koffer noch nicht ganz allein packen, die Eltern sollten es aber auch nicht für sie übernehmen. Psychologin Katharina Bauer findet es wichtig, den Nachwuchs – und auch schon die ganz Kleinen – mit einzubeziehen. „Eltern wollen oft schnell fertig werden. Aber sie sollten die Kinder dabei nicht übergehen. Lassen Sie Ihr Kind selbst entscheiden, welches Kuscheltier oder welches Lieblingskleidungsstück mit in den Koffer soll“, sagt Bauer, die selbst Mutter von zwei Kindern (10 und 13) ist. Jugendliche packen ihren Koffer am besten allein. Nur wichtige Dokumente sollten Eltern im Blick haben.

So groß die Vorfreude auf den gemeinsamen Urlaub auch ist, es gilt, die Erwartungen ein wenig herunterzuschrauben – das beugt Reibereien vor. „Bleiben Sie echt. Das heißt: Haben die Kinder keine Lust auf stundenlange Wanderungen, braucht man die auch gar nicht einplanen. Das sorgt nur für Frust und schlechte Stimmung“, so Bauer.

Laut der Expertin könne man schon im Vorfeld überlegen, was jeder gerne machen möchte. „Kinder haben da oft ganz tolle und kreative Ideen“, weiß die 39-jährige. Schön findet sie, wenn man so etwas wie ein Urlaubsritual entwickelt. „Macht die Familie etwa Urlaub in einem Ferienhaus, könnte ein Ritual das Brötchenholen am Morgen sein. Oder alle spielen am Abend zusammen Karten und lassen so den Tag ausklingen. Für Kinder sind das Dinge, die sie immer in Erinnerung behalten werden“.

Wichtig sei, den Urlaub bewusst als Familienzeit wahrzunehmen. „Klar, es gibt immer Dinge, die man im Kopf hat. Das können der Beruf oder Arbeiten am Haus sein. Versuchen Sie, das in den Ferien mal bewusst wegzupacken – der Familie zuliebe“, macht Bauer deutlich. Vater und Mutter könnten die freie Zeit auch dafür nutzen, mal etwas alleine mit einem Kind zu machen, um sich so noch intensiver mit ihm beschäftigen zu können. „Der Papa geht zum Beispiel mit dem Sohn schnorcheln, während die Mutter mit der Tochter Eis essen geht oder durch die Geschäfte schlendert. Am Nachmittag treffen sich dann alle wieder“, empfiehlt die Expertin.

Sind die Kinder schon etwas älter, seien Kompromisse das A und O: „Jugendliche wollen gerne mal etwas alleine machen. Oder einfach nur ausschlafen. Das sollten Eltern respektieren“, rät Bauer. Die Psychologin empfiehlt Eltern außerdem: „Bleiben Sie flexibel, und versuchen Sie, die Dinge – trotz guter Planung – einfach auf sich zukommen zu lassen. Dann wird das automatisch ein toller Familienurlaub.“